Haiger, 08.10.2025
Hohe Defizite, wachsende Sozialausgaben und kaum finanzielle Spielräume sorgen die Kommunen.
Sorgenvoll und mit Skepsis schauen wir auf die angespannte Haushaltslage der Stadt Haiger.
Diese reiht sich mit den aktuellen Entwicklungen und Problemen in die Klagelieder der Kommunen kreis-, landes- und bundesweit ein.
Der Blick in den Nachtragshaushalt gibt ebenfalls Anlass zum kritischen Blick in die Zukunft der Finanzen der Stadt.
Zumal in Haiger – wie allen Bürgerinnen und Bürgern bekannt sein sollte – erhebliche Ausgaben wegen der laufenden Projekte in den Folgejahren geplant sind.
Allen diesen Projekten ist eines gemein: Sie werden nicht in der geplanten Höhe der Finanzmittel realisiert werden, sondern sehr wahrscheinlich deutlich teurer ausfallen.
Was wiederum die Haushaltslage kritisch belasten wird – über die Planung hinaus.
Es stellt sich die Frage, wie belastbar ist der Haigerer Haushalt und wie sicher sind die Planzahlen.
Schauen wir einmal wie andere Kommunen sich um das Thema Finanzen sorgen:
Laut dem Bericht in der Dill-Zeitung vom 08.10.2025 ist die finanzielle Lage der Kommunen im Lahn-Dill-Kreis angespannt.
Der Haushalt 2025 könne in nahezu allen Kommunen im Kreis nicht mehr ausgeglichen werden.
So erklärte Landrat Carsten Braun (CDU):
„Die derzeitige Haushaltslage ist dramatisch. Die ersten Kommunen und der Kreis selbst sind in Liquiditätsprobleme geraten, da die Rücklagen, die in besseren Jahren gebildet wurden, bereits aufgebraucht sind“.
Als Treiber der Krise werden steigende Sozialkosten genannt, da diese über die Kreisumlage die Kommunen belasten.
Die Einbrüche der Gewerbesteuereinnahmen machen ebenfalls vielen Städten und Gemeinden zu schaffen.
Dies trifft auch Haiger: die Stadt hat kürzlich einen Nachtragshaushalt aufgestellt hat.
(Siehe dazu unseren Beitrag: „Ein Blick auf die 32. Stadtverordneten-versammlung der Stadt Haiger – der 1. Nachtragshaushalt“
Damit stellt sich auch die Frage, wie es in Haiger aussieht und was das für Haiger bedeutet.
Wir können Haushalte lesen und abstrahieren, was passieren wird.
Eine risikobasierte, permanente und transparente mitlaufende Planung ist für uns unabdingbar.
Nur so können wir sicher sein, dass das wichtige städtische Organ der Kommunalverwaltung – das Stadtparlament – frühzeitig gut basierte Entscheidungen treffen kann.
Es sei bereits jetzt absehbar, dass fast alle Städte und Gemeinden ihre Haushalte 2026 nicht werden ausgleichen können.
„Bei fast einem Viertel der Kommunen im Lahn-Dill-Kreis sind die Rücklagen der letzten Jahre bereits aufgebraucht. Entlastungen sind gleichwohl derzeit nicht in dem erforderlichen Maße zu erkennen.“, wird Aßlars Bürgermeister Christian Schwarz (FWG) zitiert.
Diese explosive Gemengelage bietet Gefahren für die kommende Kommunalwahl.
Landrat Carsten Braun warnt:„Es besteht die Gefahr, dass extreme politische Tendenzen weiter gestärkt werden, wenn die Bürgerinnen und Bürger das Gefühl haben, dass ihre Städte und Gemeinden sowie die Landkreise in ihrer Handlungsfähigkeit zunehmend eingeschränkt werden“.
Unser Statement dazu:
Wir wollen keine Panik verbreiten: Aber die Lage ist noch ernster, als dies öffentlich diskutiert wird.
„Business as usual“ und ein „Weiter so“ kann es nicht mehr geben.
Wir müssen im „Kopf umparken“.
Dazu ist eine konzertierte Aktion mit allen städtischen Gremien mehr als empfehlenswert.
Dazu passt:
Ein Artikel in der Dill-Zeitung vom 23.10.2025
Ein interview mit Alexander Schweitzer, Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz (SPD).
Zusammenfassung grob:
„Herr Schweitzer, geht unseren Kommunen das Geld aus?“
- Thema: Viele deutsche Kommunen sind finanziell stark belastet – steigende Sozialausgaben, sinkende Einnahmen.
- Zentrale Probleme:
- Hohe Sozialausgaben („Backoffice des Sozialstaats ist zu groß geworden“).
- Geringe Investitionsmöglichkeiten der Kommunen.
- Gewerbesteuer zu volatil
- Ungleichgewicht zwischen kommunalen Aufgaben und finanziellen Mitteln.
- Forderungen Schweitzers:
- Bund und Länder sollen stärker bei der Finanzierung helfen.
- Reform der Sozialleistungen und effizientere Verwaltung.
- Entlastung der Kommunen, um Investitionen in Zukunftsprojekte zu ermöglichen.
- Warnung: Wenn Bürger das Gefühl bekommen, dass der Staat seine Aufgaben nicht mehr erfüllt, droht eine „demokratische Debatte“.
- Ausblick: Schweitzer erwartet, dass der Bund sich am Ende auch finanziell beteiligen muss.