Haiger, 26.11.2025
Warum wir jetzt handeln müssen: Die kommunale Finanzlage spitzt sich dramatisch zu – auch in Haiger
WFH informiert über Fakten, Hintergründe und notwendige Konsequenzen
Die Finanzlage vieler Kommunen in Deutschland und Hessen verschlechtert sich rapide. Neue Zahlen, Berichte und Einschätzungen zeigen eindeutig: Städte und Gemeinden geraten finanziell immer stärker unter Druck. Auch Haiger ist von dieser Entwicklung unmittelbar betroffen.
Die WFH nimmt diese Situation ernst und setzt sich dafür ein, Fakten offen zu benennen, Prioritäten transparent zu diskutieren und Fehlentscheidungen zu vermeiden, die die zukünftige Handlungsfähigkeit der Stadt gefährden würden.
1. Rekorddefizite und Trendwende: Die Lage ist ernst
Deutschlandweit und besonders in Hessen haben Kommunen 2024 Rekorddefizite angehäuft:
- Deutschland: –24,8 Mrd. Euro kommunales Defizit
- Hessen: –3,1 Mrd. Euro, höchstes Defizit pro Einwohner aller Bundesländer
- 2025 zeichnet sich bereits eine weitere Verschlechterung ab
Die Krise ist kein kurzfristiger Ausrutscher, sondern eine strukturelle Entwicklung
– auch im Lahn-Dill-Kreis.
2. Die Ursachen liegen vor allem bei den Ausgaben – nicht bei den Einnahmen
Während die Steuereinnahmen stagnieren, steigen die Ausgaben der Kommunen massiv:
Sozialausgaben
- +25 % von 2023 auf 2024
- besonders stark im Bereich Jugendhilfe, Eingliederungshilfe und Grundsicherung
Personalkosten
- seit 2014 nahezu verdoppelt
- über 300.000 neue Stellen in kommunalen Bereichen
- hohe Tarifabschlüsse
Die Reformen auf Bundesebene (u. a. neue Grundsicherung, Teilhabegesetz) treffen die Kommunen unmittelbar – ohne ausreichende Gegenfinanzierung.
3. Pflichtaufgaben werden unbezahlbar – Beispiel Kita
Die Bürgermeister im Lahn-Dill-Kreis schlagen Alarm:
Allein die Kita-Defizite im Kreis liegen 2025 bei über 90 Mio. Euro – 2026 über 100 Mio. Euro.
- In vielen Kommunen entspricht das Kita-Minus fast dem gesamten Haushaltsdefizit.
- Die Landespauschale deckt nur einen Bruchteil der tatsächlichen Kosten (nur +2 € in 7 Jahren).
- Ein Kita-Platz kostet manche Kommunen inzwischen über 1.200 € pro Monat pro Kind.
Diese Pflichtaufgabe ist wichtig – aber sie schränkt jeglichen finanziellen Spielraum drastisch ein.
Auch Haiger ist hiervon voll betroffen.

4. Haiger im Fokus: Defizite, Steuererhöhungen und hohe Investitionen
Die Haushaltslage Haigers spitzt sich weiter zu:
- Gewerbesteuereinbruch 2025: –6,8 Mio. €
- Haushaltsentwurf 2026: –5 Mio. € Defizit
- geplante Steuererhöhungen:
Grundsteuer A +125 %,
Grundsteuer B +37 %,
Gewerbesteuer +15 % - über 42 Mio. € für laufende und geplante Großprojekte
- Gesamtvolumen der Großprojekte > 100 Mio. in der Laufzeit + hohe Betreiberkosten
- stark steigende Kreis- und Schulumlagen
- wachsende Pflichtausgaben (insbesondere Kitas)
Damit wird deutlich:
Haiger verliert zunehmend finanzielle Steuerungsfähigkeit.
Einsparpotenziale gibt es fast ausschließlich bei freiwilligen Projekten.
5. Die Stadthalle: Großprojekt mit unkalkulierbaren Risiken
Die Stadthalle ist ein freiwilliges, nicht-gesetzlich vorgeschriebenes Projekt – und zugleich eines mit dem größten finanziellen Risiko.
- Bau bereits unterbrochen
- Kostensteigerungen und Folgekosten unklar
- Fördermittel begrenzt und mit Eigenanteilen verbunden
- hohes bautechnisches und finanzielles Risiko
In der aktuellen Lage ist eine Fortführung ohne umfassende Neubewertung nicht verantwortbar.
6. Was jetzt nötig ist – Die Position der WFH
Die WFH fordert konsequentes und verantwortungsvolles Handeln:
Wir stehen für:
- strikte Prüfung aller Großprojekte
- sofortige Neubewertung der Stadthalle
- Priorität für Pflichtaufgaben
- Haushaltssicherheit vor freiwilligen Ausgaben
- volle Transparenz für die Bürger
- maßvolle und zielgruppengerechte Anpassungen nur dort, wo unvermeidbar
- kein „Weiter so“, das zukünftige Generationen belastet
Unser Leitgedanke:
Notwendiges zuerst. Wünschenswertes später.
Damit Haiger auch morgen noch handlungsfähig ist.
7. Warum wir die Bürger umfassend informieren
Die Bürger haben ein Recht darauf zu wissen,
- wo die Stadt finanziell steht,
- welche Risiken bestehen,
- warum Entscheidungen notwendig sind,
- und wie wir gemeinsam Fehlentwicklungen vermeiden können.
Wenn Rücklagen einmal aufgebraucht sind, entscheidet nicht mehr die Politik – sondern die Notlage.
Genau das wollen wir verhindern.
Dafür steht die WFH.
Wir fordern: Umdenken.
An dieser Stelle sei einmal der ganz gewagte Gedanke einer
verstärkten Interkommunalen Zusammenarbeit deutlich ausgesprochen.
Wir fordern die Stadt Haiger mit allen Vertretern über diesen Gedanken intensiv und ernsthaft zu diskutieren und Möglichkeiten auszuloten.
Die Zeit ist reif.